Wofür ich gerne Geld ausgebe

Ich habe lange versucht, bei der Zahlungsabwicklung zu sparen, und dabei übersehen, was mich das wirklich kostet: Zeit, Nerven und das Risiko von Fehlern in der Buchhaltung. Seitdem nutze ich CopeCart als Reseller für meine digitalen Produkte. Die Provision ist kein Verlust, sie ist eine Investition in meine Zeit. Und ab einem bestimmten Preis kippt die Rechnung wieder, aber dazu mehr im Artikel.

Manchmal ist die günstigste Lösung die, die am meisten kostet​​

Wer digitale Produkte verkauft, denkt zuerst ans Produkt, dann ans Marketing. Die Buchhaltung kommt meistens als Letztes, und das ist ein teurer Fehler.

Als ich mein erstes digitales Produkt angeboten habe, war für mich von Anfang an klar, dass ich Stripe als Zahlungsanbieter nutzen möchte. Die Provisionen sind niedrig und ich kann es so einstellen, dass Kunden mit fast allen Zahlungsmitteln kaufen können, die es international gibt. Das hat auch sehr gut geklappt, zumindest bis es an die Buchhaltung ging.

Denn bei Stripe ist es im Endeffekt genau so, als würde man jede Rechnung einzeln manuell ausstellen. Das spart man sich zwar, aber man muss trotzdem jede Rechnung verbuchen und sicherstellen, dass sie richtig ausgestellt wurde. Was, wenn man ins Ausland verkauft, mit kleinen Fallstricken verbunden sein kann. Vor allem, wenn man nicht die ständig neuen Änderungen im Rechnungswesen kennt.

Irgendwann habe ich aufgehört, die Provision als Kostenpunkt zu sehen. Denn wenn ich ehrlich nachrechne, wie viele Stunden ich in die Buchhaltung und den Kleinkram drumherum stecke und was ich sonst in der Zeit hätte tun können, ist das Ergebnis ernüchternd. Es war ja nicht nur die Zeit, sondern auch die Nerven und das ständige Hinterfragen, ob man alles richtig gemacht hat. Der Verkauf an sich hat nur wenige Minuten gedauert, die Nacharbeit Stunden.

Seitdem hat sich an meinem Mindset einiges geändert. Zwar informiere ich mich noch immer im Vorfeld, ob ich für etwas wirklich viel Geld bezahlen muss oder ob es eine günstige Alternative gibt. Doch für manche Dinge bin ich gerne bereit, Geld zu investieren. Vor allem, wenn es mir dadurch meine wichtigste Ressource spart: meine Zeit.

Das Reseller-Modell als Lösung

Für meine Mini-Produkte greife ich auf ein sogenanntes Reseller-Modell zurück. Beim Reseller-Modell tritt nicht du, sondern die Plattform als Verkäufer auf. Sie stellt die Rechnung aus, kümmert sich um die Mehrwertsteuer und übernimmt rechtliche Pflichten, die beim Verkauf digitaler Produkte sonst an dir hängen. Am Ende des Monats bekommst du eine saubere Gesamtabrechnung.

Ich habe mich dabei für CopeCart entschieden. CopeCart verkauft mein Produkt für mich, stellt die Rechnungen aus und kümmert sich um die Mehrwertsteuer, wofür ich besonders bei internationalen Kunden sehr dankbar bin. Es regelt auch etwaige Rückbuchungen, Mahnungen und Abos. Am Ende bekomme ich eine saubere Übersicht, die ich einfach in meiner Buchhaltung verbuchen kann, anstatt für jeden Verkauf eine separate Rechnung.

Dafür zahle ich einen prozentualen Anteil pro Verkauf, also eine Provision. Das ist genau das, was viele von Resellern abschreckt, da es bedeutet, dass man weniger raushat, als wenn man es selbst verkaufen würde.

Ich sehe das inzwischen anders.

Die Rechnung dahinter

Stell dir vor, du verkaufst einen Kurs für 97 Euro. CopeCart nimmt eine Provision von 4,9 % und eine Transaktionsgebühr von 1 Euro. Bei dir landen also 91,25 Euro. Das klingt auf den ersten Blick nach einem Verlust von 5,75 Euro. Doch im Gegenzug musst du keine Rechnungen schreiben, keine Mehrwertsteuer prüfen, keine Sonderfälle recherchieren, keine Rückbuchungen bearbeiten und keine Belege sortieren.

Was würden diese Aufgaben dich an Zeit kosten und was wäre das umgerechnet auf deinen Stundenlohn? Die Rechnung sieht schnell anders aus.

Dazu kommt das Risiko, dass man schnell etwas falsch machen kann. Falsche Steuerausweise, fehlende Pflichtangaben auf Rechnungen und so weiter. Im Zweifel zahlt man dann deutlich mehr, als jede Provision kosten würde. Und diesmal in echtem Geld.

Dabei helfen auch keine Tools wie ThriveCart. Diese greifen zwar auf Stripe zurück und werben damit, eine gute Oberfläche und keine Zusatzkosten zu haben. Aber leider übersieht man schnell einen wichtigen Punkt: Diese Tools kommen nicht aus Deutschland. Und Deutschland ist sehr speziell, was die Steuer angeht. Sie können die Anforderungen technisch nicht umsetzen, wodurch Rechnungen oft fehlerhaft sind und manuell korrigiert werden müssen. Ganz zu schweigen davon, dass man auch hier jede einzeln verbuchen muss.

Meine Empfehlung, wenn du definitiv keinen Reseller möchtest: Nutze Stripe direkt ohne Tool dazwischen und aktiviere Stripe Tax und Stripe Billing. Das erhöht zwar die Kosten, aber dann klappt es besser mit der Rechnung.

Wann das Modell kippt

Das Reseller-Modell lohnt sich jedoch nicht für jedes Produkt. Wenn du anfängst, hochpreisige Produkte wie Coachings, intensive Programme oder Einzelleistungen im vierstelligen Bereich zu verkaufen, musst du nachrechnen. Die Provision bleibt prozentual gleich, wird aber absolut deutlich größer. Irgendwann ist der Betrag, den du pro Verkauf abgibst, groß genug, eine andere Lösung zu rechtfertigen.

Dann lohnt sich der Wechsel zu Stripe oder einem ähnlichen Zahlungsanbieter wieder. Aber achte auch hier auf die Transaktionskosten, denn diese sind abhängig von den Modulen, die du verwendest, und können sich ändern.

Doch auch hier ist entscheidend, dass sich der Wechsel nur dann wirklich lohnt, wenn du gleichzeitig deine Buchhaltung professionell organisiert hast. Sprich, wenn du ein vernünftiges Buchhaltungstool wie Lexware verwendest oder sogar eine Steuerberaterin hast, die sich mit dem Online-Business auskennt. Dann kann sie sich um alles kümmern, was bisher CopeCart für dich erledigt hat.

Das eine ohne das andere zu machen, wäre ein Fehler. Du würdest einerseits sparen, andererseits aber zusätzlich zahlen. Nicht nur mit Geld, sondern auch mit Zeit und Nerven.

Das Prinzip dahinter

CopeCart ist nur ein Beispiel, aber das Mindset dahinter zieht sich durch viele Entscheidungen im Business. Ich zahle gerne für Dinge, die mir wiederkehrende Aufgaben abnehmen und mir die Freiheit geben, meine Zeit woanders zu investieren. Und ich zahle bewusst nicht für Tools, die mich noch nicht weiterbringen. Denn oft sind das Teuerste im Business nicht die Tools, sondern die Zeit, die man verliert, weil man am falschen Ende spart.

Dieser Artikel ist zuerst im digital durchstarten.-Magazin in leicht veränderter Form erschienen.

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